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Jazz Podium, Alexander Schmitz
Februar 2008


Denis Chang & Flèche d'Or
Nature Boy

Ho Club Records/LeiCom HRCD202

Flèche d'Or ist eine ziemlich große Großfamilie, in der beispielsweise Ritary Gaguenetti und Frank Gambale (!) Sologitarre spielen, Lou Boustani, Jesse Barksdale, Roberto Rosenman oder Hervé Gaguenetti an den Rhythmusgitarren sitzen, John Labelle, Jeanne Rochette oder Down Tyler Watson singen und so weiter und so fort. Die Liste derer, die bei diesem oder jenem Titel mitwirken, ist zu riesig für diese schütteren Online-Zeilen.

Fest immerhin steht: Flèche d'Or ist fast so französisch wie sein Name und vor allem ein Gypsy-Swing-Labor mit erstaunlich vielen Räumen für im Großen und Ganzen ungefährliche Experimente, aber doch auch für sorgsame Traditionspflege. Denis Chang, der im Vornamen tatsächlich nur ein N trägt, in den USA universitäre Gitarre-Meriten ernten konnte, einen chinesischen Nachnamen und das entsprechende Aussehen hat, lebt vermutlich in Frankreich oder Belgien, und sein Job ist es, in nämlichem Labor ständig in allen Räumen zugleich zu sein.

Er kann das, denn er ist schneller als sein Schatten. Wie man weiß, sind das auch sehr viele europäische Gypsies, für die ein gerüttelt Maß an artistischer Brillanz offenbar von Haus aus dazu gehört. Denis allerdings, der auch Bebop und andere Jazzarten beherrscht, ist so was wie ein djangoierender Weltbürger. Und als solcher verstehen er - und die Gruppe Flèche d'Or ebenso -, le jazz manouche zu spielen, der Gestern und Heute auf ganz erstaunlich schlüssige Art assimiliert.

So ist also "Nature Boy" [Hot Club Records/LeiCom HCRCD 202] alles andere als mal wieder nur eines von Aberhunderten Déjà-écouté-Alben. Die Truppe swingt auf Teufel-komm-raus und federnd leicht, und was Denis auf seiner Steelstring zaubert, geht dicht wirklich an die Grenzen des Machbaren. Und er spielt das nicht, um plump zu brillieren, sondern weil es ganz einfach so gespielt werden muss. Er steht meilenweit über allen technischen Fragen. Man fühlt sich anfangs ein bisschen erinnert an den japanischen Klassikgitarre-Derwisch Kazuhito Yamashita, für den es weder in Beethovens Violinkonzert, noch in Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" irgendwelche Skrupel oder Hürden gab.

Denis, das ist Takt um Takt deutlich zu spüren, ist frei von Kazuhitos Ehrgeiz, von dessen eingebläuter "Jetzt-zeigen-wir's-mal-dem-Westen"- Artistik. Und genau deshalb ist "Nature Boy" ein erstaunliches, ein sehr gutes Album.